CTG verstehen: Was der Herzton-Wehenschreiber im Kreißsaal zeigt
Im Kreißsaal piepst es, auf dem Monitor laufen Linien und Zahlen – und Du fragst Dich, ob alles in Ordnung ist. Hier erfährst Du, was das CTG misst, wie Du die Aufzeichnung liest und wie Du Deiner Partnerin hilfst, statt auf den Bildschirm zu starren.
Von PD Dr. med. Carsten HagenbeckOberarzt für Geburtshilfe · Stand: Oktober 2026 · ca. 5 Min. LesezeitDas Wichtigste in Kürze
- Das CTG zeichnet mehrere Dinge gleichzeitig auf: den Herzschlag Eures Babys, die Wehen und meistens auch die Kindsbewegungen.
- Normal liegt die Herzfrequenz des Babys zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute – und sie variiert ständig ein wenig. Das ist ein gutes Zeichen.
- Kurze Abfälle während einer Wehe können vorkommen. Ob ein Muster auffällig ist, beurteilt das Team immer im Zusammenhang.
- Piepsen oder Lücken in der Aufzeichnung bedeuten oftmals, dass der Sensor verrutscht ist.
- Deine wichtigste Aufgabe: Achte lieber auf Deine Partnerin, nicht auf den Monitor.
Was ist ein CTG?
CTG steht für Kardiotokografie – auf Deutsch etwas anschaulicher: Herzton-Wehenschreiber. Deiner Partnerin werden dafür zwei Sensoren mit elastischen Gurten auf den Bauch gelegt:
- Ein Ultraschall-Sensor erfasst den Herzschlag Eures Babys. Das ist das schnelle Klopfen, das Ihr im Raum hört.
- Ein Drucksensor registriert, wann sich die Gebärmutter zusammenzieht – also die Wehen.
Beides wird zeitgleich aufgezeichnet, früher auf Papier, heute meist auf einem Monitor. In vielen Kliniken laufen die Aufzeichnungen zusätzlich auf einem zentralen Bildschirm, den das Team auch von außerhalb des Kreißsaals im Blick hat.
In der Schwangerschaft ist das CTG keine Routineuntersuchung, sondern wird bei bestimmten Fragestellungen geschrieben. Unter der Geburt begleitet es Euch dagegen oft über Stunden.
Herzschlag und Wehen – so liest Du das CTG
← Streifen zum Ansehen seitlich wischen →
- 1Akzeleration: kurzer Anstieg, oft wenn sich das Baby bewegt
- 2Oszillation: die Linie variiert ständig ein wenig – ein gutes Zeichen
- 3Wehe: die Gebärmutter zieht sich zusammen
- 4Kindsbewegungen: schwarze Balken – das Gerät hat registriert, dass sich das Baby bewegt
Oben: der Herzschlag Eures Babys. Die Zahl auf dem Monitor zeigt die Schläge pro Minute. Normal liegt die sogenannte Grundfrequenz zwischen 110 und 160 – deutlich schneller als bei Erwachsenen und völlig normal.
Die Linie ist nie ganz glatt, sondern variiert ständig ein wenig. Dieses Auf und Ab, in der Fachsprache Oszillation, ist erwünscht: Sie zeigt, dass das Nervensystem Eures Babys aktiv arbeitet. Kurze Anstiege, oft wenn sich das Baby bewegt, heißen Akzelerationen – auch sie sind ein gutes Zeichen. Viele Geräte erkennen außerdem die Kindsbewegungen und markieren sie als kurze schwarze Balken auf dem Streifen. Sie sind oft auch in Verbindung mit einer Akzeleration zu sehen.
Unten: die Wehen. Jede Wehe erscheint als Hügel. Daran sieht das Team, wie oft die Wehen kommen und wie lange sie ungefähr dauern. Wichtig zu wissen: Die Höhe des Ausschlags auf dem Wehenschreiber sagt wenig darüber, wie stark Deine Partnerin die Wehe spürt – sie hängt unter anderem davon ab, wo der Sensor positioniert ist. Wie stark eine Wehe ist, erfährst Du von ihr, nicht vom Monitor.
Was ist, wenn die Herztöne abfallen?
Während einer Wehe ändert sich der Druck in der Gebärmutter. Es kann vorkommen, dass der Herzschlag dabei etwas langsamer wird. Solche Abfälle heißen Dezelerationen. Wenn dies auftritt, bedeutet es nicht unmittelbar, dass es dem Baby nicht gut geht.
Entscheidend ist nicht ein einzelner Moment, sondern das Muster über eine längere Zeit: Wann tritt der Abfall auf, wie tief ist er, wie schnell erholt sich der Herzschlag, und wie sieht die Linie dazwischen aus? Hebammen und Ärzte beurteilen das CTG nach festen Kriterien und immer zusammen mit dem Geburtsverlauf.
Ist ein Muster auffällig, gibt es abgestufte Schritte. Oft hilft schon ein Positionswechsel Deiner Partnerin. In seltenen Fällen kann zusätzlich eine kleine Blutprobe aus der Kopfhaut des Babys untersucht werden, die Mikroblutuntersuchung, um die Sauerstoffversorgung direkt zu prüfen. Ein auffälliges CTG ist also zunächst ein Grund zum genaueren Hinsehen – kein Grund zur Panik.
Warum piepst es dauernd?
Viele werdende Eltern erschrecken, wenn das Gerät piepst oder die Aufzeichnung plötzlich Lücken hat. Meist steckt etwas ganz Banales dahinter:
- Der Sensor ist verrutscht – zum Beispiel, weil Deine Partnerin sich bewegt oder das Baby tiefer ins Becken rutscht. Dann kann das Gerät das Signal verlieren.
- Das Gerät misst den Puls der Mutter statt den des Babys. Das kann passieren, wenn der Sensor ungünstig liegt. Das Team kennt das und prüft es.
- Der Alarm reagiert auf jede Unregelmäßigkeit – auch auf rein technische.
Du musst das CTG nicht überwachen, das ist Aufgabe des Teams. Wenn Du unsicher bist, frag einfach nach.
Was Du als Partner tun kannst
- Schau auf Deine Partnerin, nicht auf den Monitor. Sie merkt, wenn Du gebannt auf Zahlen starrst. Das geburtshilfliche Team ist zur Überwachung des Kindes und für Euch da.
- Lass das Team das CTG deuten. Wenn Du Fragen hast, stellst Du sie am besten in einem ruhigen Moment zwischen den Wehen.
- Gurt verrutscht? Sag der Hebamme Bescheid, statt selbst daran zu schieben.
- Stört Euch der laute Herzton? Frag, ob er leiser gestellt werden kann. Die Aufzeichnung läuft trotzdem weiter.
- Bewegung ist fast immer möglich. Frag, ob Deine Partnerin mit CTG aufstehen oder die Position wechseln darf. In manchen Kreißsälen gibt es kabellose, teils sogar wasserdichte Sensoren.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Hebamme, Ärztin oder Arzt. Fragen zu Eurer Schwangerschaft besprecht bitte mit Eurer Hebamme, Eurer Frauenärztin oder Eurem Frauenarzt.
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Über den Autor
PD Dr. med. Carsten Hagenbeck
Oberarzt für Geburtshilfe mit Weiterbildung in Spezieller Geburtshilfe und Perinatalmedizin, Mitautor geburtshilflicher Leitlinien. Seit 2016 bereitet er in seinen Väterabenden werdende Väter auf die Geburt vor – und ist selbst zweifacher Vater.
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